Aktuell, wissenswert, aufschlussreich

Veröffentlicht am 15.08.2017

Wie stellt man eigentlich eine magere Flachlandmähwiese her?

Diese Frage hört seecons Fachabteilung Umwelt schon hin und wieder, wenn der Begriff fällt – und auch mit der Antwort können viele erst einmal nichts anfangen: durch Mahdgutübertragung. Was das genau bedeutet, lässt sich am Projekt im Zuge einer Deichinstandsetzung der Deichanlage bei Erlln nachvollziehen, bei dem die seecon Ingenieure eine naturschutzfachliche Schadensbegrenzungsmaßnahme realisiert haben.

Denn während der Baumaßnahmen gehen Anteile des geschützten Lebensraumtypes Flachlandmähwiese (LRT 6510) verloren. Um diesen Verlust zu kompensieren und ein Ansaat zu ersetzen, soll im räumlichen Zusammenhang eine entsprechende Fläche des LRT 6510 neu entstehen. Unser Ingenieurbüro übernahm dabei die Ausführungsplanung und Überwachung der Mahdgutübertragung einschließlich aller Vorbereitungen der Flächen sowie eine Ökologische Baubegleitung der Arbeiten, da immer noch Brutsaison ist und somit Gefahrenpotenzial für bodenbrütende Vogelarten besteht.

Empfängerfläche für das entnommene Mahdgut im Sonnenschein

Das entnommene Mahdgut ist auf der Empfängerfläche aufgebracht

 

Grundsätzlich erfolgt dafür eine Kombination von Mahdgut- und punktueller Sodenübertragung vom Bestandsdeich, um die Entwicklung zu unterstützen. Dafür wurde die 4 Hektar große Spenderfläche (Bestandsdeich vor Baubeginn) gemäht. Die Mahdgutentnahme erfolgte, wenn der überwiegende Teil der Zielarten fruchtet, um den höchstmöglichen Diasporenaustrag zu erzielen. Idealerweise wurden dafür die frühen Morgenstunden mit Morgentau gewählt, um das Ausfallen der Samen während der Mahd zu minimieren.

Die Übertragung auf die vorbereitete Empfängerfläche von 2,5 Hektar Größe musste zügig innerhalb eines Tages erfolgen, damit das Mahdgut nicht austrocknet oder überhitzt. Der erste Durchgang dieser Mahdgutübertragung wurde im Juni und Juli zur Samenreife der maßgeblichen Pflanzen umgesetzt. Ein zweiter Durchgang ist im August/September in gleicher Weise geplant. Zur Pflege der Empfängerfläche findet anschließend eine zweischürige Mahd statt, zur Erfolgskontrolle schließt sich ein Monitoring an.

Pflanze Gräser mit Samen auf Wiese im Detail

Samenreife von Pflanzen gilt es bei der Mahdgutentnahme zu beachten

Weitere Informationen zu den Projekten von seecon finden Sie hier.