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Veröffentlicht am 24.09.2012

Erdgeschichte wird an neuen Ufern lebendig

Der durch die seecon Ingenieure geplante erste Teil des Geopfads am Markkleeberger und Störmthaler See wurde eingeweiht

Geologisch und archäologisch Interessierte finden am Markkleeberger und Störmthaler See ab sofort ein besonderes Angebot – einen erdgeschichtlichen Zeitpfad. Am Samstag wurden die ersten beiden Stelen von Oberbürgermeister Bernd Klose (SPD) und seiner Groß-
pösnaer Amtskollegin Gabriela Lantzsch (parteilos) im Beisein von zahlreichen Projektbeteiligten eingeweiht. „Ich freue mich sehr, dass die Stadt Markkleeberg und die Gemeinde Großpösna dieses Projekt gemeinsam umgesetzt haben. Wie unsere Verwaltungen zusammen-
gearbeitet haben, war einfach klasse“, erklärte Lantzsch an der Seepromenade Markkleeberg-Ost. Ihr Dank galt auch der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbauverwaltungsgesellschaft, die 2007/08 die  Entwurfsplanung für den Geopfad mit Paragraf-4-Mitteln zur Tagebau-
sanierung finanziert hatte. Klose würdigte den Verein für Erdgeschichte im Südraum Leipzig, der mit seinen „überaus interessanten Führungen“ durch den Tagebau schon in den Neunzigerjahren den Anstoß gegeben habe. „Mit nicht nachlassendem Enthusiasmus haben Mitglieder wie Professor Lothar Eißmann und Professor Arnold Müller von der Uni Leipzig dafür gesorgt, dass die aufregende Erdgeschichte am Seen-
verbund ans Licht kommt“, so Klose.
Der Geopfad besteht im ersten Abschnitt aus 16 Stelen, die sich auf 14 Kilometer Länge zwischen Seepromenade Markkleeberg-Ost und dem Grunaer Hafen erstrecken. Wobei Lantzsch gestand, dass die letzte wegen der anstehenden Bauarbeiten auf der Magdeborner Halbinsel noch nicht errichtet sei. Aufgrund ihrer Größe – die Tafeln aus Cortenstahl sind 3,30 Meter hoch, einen Meter breit und 30 Zentimeter tief – handelt es sich um informative Landmarken, die zum Innehalten einladen. Die Kosten für die Entwicklung und die Umsetzung belaufen sich insgesamt auf 160 000 Euro. Je 27 500 Euro haben die beiden Kommunen beigesteuert, der Großteil stammt aus dem  Fördertopf der Integrierten ländlichen Entwicklung (Ile). Die erste Tafel an der Seepromenade, die sich der Archäologie widmet, hat allerdings die  Sparkassenstiftung Leipzig bezahlt. „Unser Motto lautet: Bewahren, was uns ausmacht. Wir meinen, dass wir mit der Unterstützung des Geopfades diesem Ziel gerecht werden“, erklärte die Vorstandsvorsitzende der Kultur- und Umweltstiftung Leipziger Land, Gabriele Greiner. Ohne die 5500 Euro wäre der gesamte Geopfad in dieser Form nicht realisierbar gewesen. Denn just die erste Stele liegt außerhalb des Ile-Fördergebietes. Die Sparkassenstiftung hat ihr Engagement am Markkleeberger See im Grunde nur fortgeführt. „Vor drei Jahren haben wir schon die Umsetzung des Findlings zu Ehren des Landesgeologen Franz Etzold und des Archäologen Karl Hermann Jacob vom Schillerplatz an die Auenhainer Straße finanziert“, erinnerte Greiner. Beides – Findling und Stele – trennt heute nur eine Treppe. Wolfgang Ender, Referatsleiter Nordwestsachsen im Landesamt für Archäologie, meinte: „Die Geologie und die Archäologie haben in der Region eine lange Tradition. Mit dem erdgeschichtlichen Zeitpfad wird diese gekrönt, in dem die Ergebnisse von über 100 Jahren Arbeit öffentlich zugänglich sind.“ Ohne Etzold, der 1895 in einer Kiesgrube, die berühmten Markkleeberger Artefacte entdeckte, aber auch Leute wie Willi Baumann, der 1977 einen Baggerführer überredete, den Abraum beiseite zu schaffen, damit
ihn Archäologen durchsuchen konnten, wäre dies gar nicht möglich gewesen. Aber auch nicht ohne das Autorenteam um Gerda Standke vom Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, das Massen an Informationen binnen zwölf Monaten komprimieren und verständlich darstellen musste. „Der Geopfad ist eine Bereicherung für die Region und selbst für Besucher attraktiv, die sich sonst nicht für Geologie und Archäologie begeistern können. Ich bin mir sicher, dass er dazu beitragen wird, dass sich der Tourismus mit Riesenschritten weiterentwickelt“, betonte der Leiter des Kreis-Umweltamtes, Lutz Bergmann, an der zweiten Stele. Diese ist am Seerundweg, etwa 200 Meter vom Auenhainer Strand entfernt zu finden und arbeitet die Seengeschichte vom Tagebau zum Badestrand auf. Für Andreas Berkner, Leiter der Regionalen Planungsstelle Westsachsen, vermittelt das Projekt eine Botschaft: „Durch Netzwerkarbeit und Ausdauer aller Beteiligten sind selbst schwierige Vorhaben machbar. Dann kommt irgendwann Baustein für Baustein dazu.“ Er lobte die „hohe Erlebnisdichte“ am Markkleeberger und Störmthaler See: „Alle paar hundert Meter gibt es was zu entdecken: den Bergbau-Technik- Park, den Kanupark, die Vineta, die Schleuse, Aussichtspunkte, Strände, Promenaden und Häfen. Das ist eine Qualität, die diesen Raum auszeichnet.“ Dabei ist das Projekt Geopfad noch lange nicht abgeschlossen. Im zweiten Bauabschnitt sind am Störmthaler See zwei Geofenster und an der Auenhainer Treppe Schichtenstapel geplant. Außerdem soll in einem dritten Bauabschnitt am Kanal ein Findlingsgarten entstehen.

Text: Ulrike Witt; Leipziger Volkszeitung erschienen am 24.09.2012