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Veröffentlicht am 13.12.2018

seecons Umweltplaner schützen Flora und Fauna im Markranstädter Pappelwald

Im Auftrag der Stadt Markranstädt hat seecon die Planung, Bauüberwachung und ökologische Baubegleitung des Ausbaus „Rundweg Kulkwitzer See“ übernommen. Bei dem Projekt, das seit Frühjahr 2017 bis Ende lief, wurde der am Südwestufer des Kulkwitzer Sees und durch den Pappelwald Markranstädt verlaufende Rundweg von einem Trampelweg auf 2,5 m verbreitert. Da der Pappelwald im Leipziger Umland aus ökologischer Sicht eine Besonderheit darstellt, erforderte der sensible Bereich viel planerisches Know-how und Feingefühl, das unserer Kollegen vom Fachbereich Umwelt mitbringen.

Denn die ehemalige Kippe ist ein Rückzugsort vieler seltener Pflanzenarten. In der Vorkartierung konnten in der Umgebung allein sieben Orchideenarten nachgewiesen werden sowie mindestens vier weitere Arten mit Rote Liste Status 1 (vom Aussterben bedroht) oder 2 (stark gefährdet). Außerdem kommen in dem Areal noch zahlreiche Zauneidechsen und Fledermausarten vor. Im Mulm alter Bäume wurden Kotpillen einer Rosenkäferart gefunden.

Die Zauneidechsen des Pappelwaldes wurden vor dem Ausbau abgefangen, auf die aufgewerteten Flächen umgesetzt und durch einen Zaun daran gehindert, während der Bauzeit wieder ins Baufeld einzuwandern.

Zauneidechse auf Baumstamm im Laub im Pappelwald Markranstädt

Zauneidechse im Pappelwald Markranstädt

 

Der Baum mit Rosenkäfer-Larven konnte durch eine Anpassung des Wegelaufs stehenbleiben und der Eingriff somit verhindert werden.

Die Orchideen, die teilweise am Wegesrand standen, wurden mit samt Boden großflächig ausgegraben und an einen ökologisch gleichartigen Platz in der unmittelbaren Nähe wieder eingebracht. Da die Umsiedlungschancen von Orchideen sehr gering sind, weil sie sehr empfindlich auf kleinste Veränderungen reagieren, wurde zusätzlich der nicht betroffene Bestand gestärkt, indem Randbereiche etwas aufgelichtet wurden. Da sich die Pflanzen sich auf der Kippe Markranstädt ansiedelten, als diese anfing, langsam zu bewalden, sind sie daher einen höheren Lichteinfall gewöhnt; der Wald wurde jedoch immer dichter und somit dunkler. Die Auflichtung soll nun helfen, die vorhandene Population zu stärken und die Samenbildung anzuregen. Entlang des Weges wurde der vorher abgetragene Oberboden nach Beendigung der Arbeiten wieder angedeckt. Zum Auffüllen und Angleichen entstandener Höhenunterschiede zum Gelände wurde mageres Bodensubstrat aus einer nahegelegenen Kiesgrube verwendet. Dieses magere Substrat ist besonders wichtig, da die allgegenwärtige Überdüngung der Landschaft die Hauptursache für das zunehmende Verschwinden der Orchideen ist.

Zur zusätzlichen Überdüngung trägt auch die aus Nordamerika stammende Robinie bei, die mithilfe von Knöllchenbakterien Stickstoff aus der Luft für sich verfügbar machen kann. Durch das Abwerfen der Blätter im Herbst wird so zusätzlich Stickstoff im Boden angereichert. So werden die mittlerweile seltenen mageren Standorte, welche die Orchideen benötigt, aufgedüngt und entwickeln sich zu Standorten für häufige, stickstoffliebende (Allerwelts-)Arten. Deswegen wurde eine Ausgleichsfläche für das langfristige Fortbestehen geschaffen, indem ein Robinienforst in einen Wald heimischer Baumarten, bestehend aus Traubeneiche, Winterlinde und Hainbuche, umgewandelt wurde.

Neupflanzungen im Pappelwald Markranstädt

Neupflanzungen im Pappelwald Markranstädt

 

Dabei wurden alle zu fällenden Bäume vorher auf Baumhöhlen und abstehende Rinde untersucht, denn sie bieten eventuell Fledermäusen und Vögeln Unterschlupf. Bäume mit den entsprechenden Strukturen wurden vom Fällen ausgenommen. Sie bieten somit auch weiterhin Fledermäusen und Vögeln Nist- und Quartiermöglichkeiten. Die nun überstehenden Robinien wurden geringelt, um ein Ausbreiten zu verhindern.

Pflanze mit Blüten Waldvögelein Pappelwald

Waldvögelein, gefunden im Pappelwald